Absturzsicherung

Allgemeines

Die Feuerwehr-Dienstvorschrift 1/2 und die Empfehlungen des Arbeitskreises Höhenrettung schaffen die Basis für eine Verbesserung der Sicherheit bei Einsätzen in Höhen und Tiefen. Aber alles Neue wirft naturgemäß auch Fragen auf und wird kritisch geprüft (oder einfach abgelehnt).

Hintergrund:
Vor langer Zeit, da erkannte man im Bergsport die tödlichen Gefahren des Anseilens um den Bauch. In vielen weiteren Jahren entwickelte sich die Anseiltechnik von der Stranguliertechnik bis zum heutigen sicheren und bequemen Sitz- oder auch Hüftgurt. Um maximale Sicherheit zu erlangen wird der Hüftgurt mit einem Brustgurt ergänzt oder ein Kombigurt eingesetzt. Das starre Hanfseil wandelte sich hin zum dynamischen Kernmantelseil, durch das ein Sturz wesentlich sanfter und sicherer aufgefangen wird.
Die Feuerwehr hat die Vorteile nun (endlich) auch erkannt und setzt die alpinen Erkenntnisse für Ihre Anforderungen nach und nach um. Grundlage ist hierfür die FwDV 1/2 und die Empfehlungen des Arbeitskreises Höhenrettung. Diverse Normen bezüglich Ausrüstung erleichtern bereits die Orientierung und weitere Normierungen neuer Absturz-Geräte werden sicher folgen.

FWDV 1/2 (Kapitel 14/15)
kommentierte Kurzform der Dienstvorschrift
Grundsätzlich geht um unsere Sicherheit, Leben und Gesundheit beim Arbeiten in absturzgefährdeten Bereichen (Höhen und Tiefen). Man unterscheidet dabei die folgenden Bereiche.

1.) Halten (mit Feuerwehrleine)
ist die Sicherung von gefährdeten Personen und Einsatzkräften mit dem Ziel, einen Absturz auszuschließen. Im Klartext: Feuerwehrleine und Hakengurt nur noch da wo ein Absturz oder freies Hängen im Seil auszuschließen ist. Als Daumenregel kann man sagen: 2 m vor einer Absturzkante (Höhe und Tiefe) ist Schluss.
Ausnahme: Ein freies Hängen der Einsatzkraft in der Feuerwehrleine ist nur zum Zweck der Selbstrettung (Lebensgefahr im Verzug, kein anderer Rückzug möglich) zulässig.
Gehen wir nun einen Schritt weiter (im wahrsten Sinne des Wortes) dann kommen wir in den Bereich mit Absturzgefahr.


HIER ENDET DER EINSATZ DER FEUERWEHRLEINE

2.) Auffangen (mit Gerätesatz Absturzsicherung)
ist die Sicherung von Einsatzkräften, die Tätigkeiten in absturzgefährdeten Bereichen ausführen müssen, bei denen ein Absturz nicht auszuschließen ist. Nicht gemeint ist damit ein freies Hängen der Einsatzkräfte im Seil (außer beim Sturz). Das ist ausschließlich der Sonderbereich der Höhenrettung (abseilen, aufsteigen am Seil etc.).
Praktisches Beispiel: Verletzter Kranfahrer in Kabine.
Ausgerüstet mit Absturzsicherung zu Ihm hin, ihn sichern und versorgen. Kann der Kranfahrer nicht selbstständig absteigen und muss frei hängend abgeseilt werden, sollten speziell ausgebildete Höhenretter hinzugezogen werden.

HIER IST DIE GRENZE DER ABSTURZSICHERUNG

...und der Bereich Höhenrettung beginnt. Die Höhenrettung unterscheidet sich von der Absturzsicherung wesentlich im Ausbildungsumfang, der Ausrüstung sowie bei den Methoden und Anwendungsbereichen. Freies Hängen im Seil (ab- und aufseilen, etc) also nur mit Sonderausbildung zum Höhenretter.

Gerätesatz Absturzsicherung

Auffanggurt mit vorder- und rückseitiger Fangöse
Der Auffanggurt muss den Anforderungen der DIN EN 361 genügen.
Empfehlungen:
Universalgröße verwenden; unterschiedliche Größen sind im Einsatz umständlicher zu handhaben
Seitliche Materialschlaufen sind von Vorteil; hier kann mitzuführendes Material befestigt werden
Brust- und Beinschlaufen sollten mit Schnellverschlussschnallen versehen sein
Eine Rückenstütze bietet besseren Tragekomfort

Kernmantel-Dynamikseil
Das Kernmantelseil muss den Anforderungen der DIN EN 892 genügen.
Der Durchmesser sollte mind. 10,5 mm betragen.
Empfehlungen:
Durchmesser 11 mm (Ein größerer Seildurchmesser erhöht die Sicherheit!)
Seillänge 60 m (mindestens 40 m)
Anzahl der Normstürze 8
Zusatzanforderung: Scharfkantentest!
Fangstoß < 10 kN
Für das verwendete Seil können zertifizierte Endverbindungen (Knoten, Auge, usw. ) als Alternative zum Achterknoten genutzt werden.

Bandschlingen, endlos vernäht
Bandschlingen müssen den Anforderungen der DIN EN 566 genügen (Empfehlenswert sind Bandschlingen, die zusätzlich den Anforderungen der DIN EN 354 entsprechen).
Empfehlungen:
Zugfestigkeit: mind. 22 kN
Anzahl mind. 15 (gilt für Kernmantel-Dynamikseile mit einer Länge von 60 m, andere Seillängen erfordern eine entsprechend größere/kleinere Anzahl Bandschlingen)
Länge 80 cm - 120 cm (um Verwechslungen zu vermeiden ist nur eine Länge zu verwenden)
Zusätzliche Kennzeichnung mit Herstellungsdatum

HMS-Karabinerhaken
HMS-Karabinerhaken müssen den Anforderungen der DIN EN 12275 genügen.
Es sind Karabiner mit Schraubverschluss zu verwenden (Achtung: Diese Karabiner sind nicht für Bereiche mit starken Schwingungen geeignet, z.B. Hubschraubereinsätze, bestimmte Industriebereiche,...!).
Die Verwendung von Aluminium- oder Stahlkarabinern ist freigestellt!
Empfehlung:
Mindestfestigkeit: 22 kN
Anzahl: mind. 17 = Anzahl der eingesetzten Bandschlingen + 2 zusätzliche Karabiner als Anschlagkarabiner und Verbindungsmittel zwischen Seil und Gurt
Möglichst große Schnapperöffnung, da Karabiner häufig auch als direktes Anschlagmittel an geeigneten Festpunkten verwendet werden
Sicherung im Nahbereich (bis 2 m)
Eine Sicherungsmöglichkeit mit Falldämpfer nach DIN EN 355 für Sicherungsmann und/oder Retter.
Befindet sich der Sicherungsmann im absturzgefährdeten Bereich, ist er ebenfalls mit einem Auffanggurt auszustatten.
Empfehlung:
Falldämpfer mit 2 großen Anschlagkarabinern (sog. Y-Schlingen mit Rohrhakenkarabinern)

Transportsäcke
Empfehlung:
Inhalt mind. 30 l
Tragriemen
wasserundurchlässig
Rucksackbegurtung

Zusätzliche Ausrüstung Kantenschutz Dem Gerätesatz ist eine ausreichende Menge Kantenschutz beizufügen. Als Kantenschutz eignen sich: Industriell gefertigter Kantenschutz (für Bandschlingen und Seile) Wolldecken (ggf. für Seile) D-Druckschläuche (um Bandschlingen einzuziehen) Helmlampen Um ein sicheres Arbeiten in der Dunkelheit zu ermöglichen, wird der Einsatz von Helmlampen für jeden zu sichernden und ggf. auch für den Sicherungsmann empfohlen. Die Ausleuchtung einer höher gelegenen Einsatzstelle vom Boden aus, ist aufgrund von Blendwirkungen nicht möglich. Halteclipse ermöglichen es, herkömmliche Helmlampen auf Feuerwehrhelme zu montieren. Handschuhe Hier eignen sich für den Sicherungsmann Feuerwehrschutzhandschuhe (z.B. Leder)